Archiv für Juni 2016

Aufruf zur Nutzung alternativer Kommunikationsmedien

Was geht denn heute so? Demo? Kneipe? Vortrag? Hmm, mal in den Plotter gucken… nix los wie’s scheint. Aber bei Facebook sieht’s anders aus, da werden mir gleich drei spannende Politveranstaltungen heute angezeigt!

Kennt ihr auch das Gefühl, Facebook löschen zu wollen, es aber aus der Angst nicht zu tun, dann wesentlich weniger Nachrichten aus der linken Szene mitzubekommen? Oder noch einfacher den Kontakt zu Bekannten zu verlieren und viel seltener mit Freund_innen zu chatten? Genau deshalb haben wir uns entschlossen, diesen Aufruf zur Nutzung alternativer Medien zu schreiben. Nieder mit der Abhängigkeit von Facebook und Co!
Die Kritik an kommerziellen sozialen Netzwerken wurde hundertfach formuliert. Zum Beispiel hier und hier. Und es gibt sogar schon Alternativen dazu, die teilweise auch älter sind, nur zwischenzeitlich in Vergessenheit gerieten.

Um die neusten Infos all eurer Lieblingsgruppen gesammelt an einem Ort lesen zu können ist es möglich, die Newsfeeds von deren Websites über RSS im Browser oder über Thunderbird zu abonnieren. Damit das klappt, sollten die Gruppen natürlich auch alle wichtigen Infos auf ihre Websites stellen – nicht nur auf Facebook. Auch E-Mail Newsletter mögen altmodisch erscheinen, können aber in der richtigen Dosierung sehr sinnvoll eingesetzt werden und geben unter Anderem die Möglichkeit, anonym auf Infos zuzugreifen. Hier soll kurz erwähnt werden, dass „soziale Medien“ für Menschen ausschließend sind, die sie nicht nutzen können oder wollen.

Die Kalenderfunktion ist natürlich sehr praktisch, aber es muss nicht verzichtet werden: Für Köln gibt es seit Jahren den Plotter, inzwischen in neuem Design. Dennoch finden sich hier leider nur ein Bruchteil der Veranstaltungen feministischer und weiterer emanzipatorischer Gruppen der Stadt, aktuell wird er nur von wenigen Gruppen benutzt. Wenn Gruppen den Plotter aktiv und regelmäßig mit ihren eigenen Veranstaltungen füllen ist das doch gleich ein ziemlich empowernder Anblick: so viel politisch los in Köln, mehr als mensch gedacht hätte!

Linksunten und Indymedia mögen zwar unfassbar anstrengende Kommentarspalten haben, doch ein so umfassendes Archiv autonomer Aktivitäten und Inhalte aufzubauen kann besonders zur Recherche sehr sinnvoll sein und ist viel übersichtlicher als die Facebookwall. Diskussionsbeiträge sind hier viel besser aufgehoben und auch überregional relevante Termine können geteilt werden, ganz ohne Anmeldung und Account.

Viele nutzen die Chatfunktion von Facebook und Whatsapp, doch auch hier gibt es Alternativen, wie zum Beispiel Jabber, Signal oder Telegram. Unten haben wir euch einige Links zusammengestellt, in denen ihr weiter nachlesen könnt, wie sichere Kommunikation funktioniert. Bezüglich welcher Programme ist es sinnvoll, sich in der Bezugsgruppe und im Freundeskreis abzusprechen.

Wir als Gruppe haben uns entschieden, Facebook zu nutzen, um mehr Menschen außerhalb der linken Szene zu erreichen. Dabei ist es aber sinnvoll, bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zu beachten im Interesse derer, die sich noch nicht so detailliert mit Datenschutz auseinandergesetzt haben. Dazu gehört es, keine Veranstaltungen zu erstellen, so dass die Zusagen und Interessen der Nutzer_innen nicht gespeichert werden und sich nicht darauf einzulassen, politische Diskussionen dort zu führen. Des Weiteren ist es sinnvoll keine Links zu posten, sondern beispielsweise die vollständigen Texte von der Website als Posts zu übertragen, denn es wird auch gespeichert, wer welche Links anklickt.

Wenn ihr in eurer Bezugs_gruppe noch gar keine Ahnung von Thema habt, aber auch keine Lust es euch selbst anzulesen, gibt es viele Gruppen und Initiativen, die regelmäßig Cryptoparties anbieten.

Hier noch ein paar nützliche Links zum Weiterlesen:
Crypto CD – Auf der Website gibt es ausführliche Infos zum sicheren Surfen, Chatten, Mailen und vielem mehr. Besonders praktisch ist die kleinschrittige Anleitung zur Nutzung diverser Programme. Ein Blick auf riseup.net und systemli.org lohnt sich ebenfalls.
Bei digitalcourage werden Alternativen zu WhatsApp vorgestellt, erklärt und verglichen.

Anarcha-feministischer Infotisch

Wusstet ihr schon, dass wir einen Infotisch mit ganz viel Material zu diversen Themen haben? Neben Broschüren, Flyern, Zeitschriften und Büchern könnt ihr dort auch Sticker, Buttons, Aufnäher, Taschen und Beutel bekommen. Uns ist es wichtig, emanzipatorischen Lesestoff für alle günstig zugängig zu machen – Spende was du kannst und möchtest, nimm dir mit, was dich interessiert. Die Einnahmen werden natürlich wieder in politische Arbeit gesteckt.

Gemeinsam mit Menschen vom Anarchistischen Kollektiv Köln werden wir den Infotisch in Zukunft öfter bei Parties, Konzerten usw. aufbauen. Wenn ihr Lust habt, dass wir damit auch zu euren Veranstaltungen kommen, schreibt uns ne Mail.